GOODGAME – gar nicht good

aus dem Newsletter des  Jour Fixe Hamburg:

„Bericht von Fabian Lange (Junior Game Balancer)

Die Situation beim Hersteller von Online-Spielen, den Goodgame Studios in Hamburg-Bahrenfeld, steht für viele neu gegründete Firmen. 2009 wurde Goodgame von den Brüdern Wawrzinek und Fabian Ritter gegründet, ist inzwischen der größte auf dem Markt, mit 1.300 Beschäftigten: Software-Entwicklern, Spieldesignern und Marketingspezialisten. Für sie war es oft die erste Anstellung nach dem Studium (Informatik, Mathematik, Marketing u.v.m.).

Vom Betriebsklima bei Goodgame ließen sich viele beeindrucken: Durch das Duzen mit den Chefs, die nur wenig älter sind, durch einen eigenen Pool im Garten, Freibier am Abend, Öko-Frühstück in der Cafeteria, Events mit Feuerwerk. Zwei extra eingestellte „Feelgood-ManagerInnen“ sollen für Harmonie und gute Laune sorgen.
Die negativen Seiten des Jobs nahmen sie erstmal hin, hatten keine Vergleiche mit anderen Arbeitsplätzen.

Die Inhaber nutzen die Unerfahrenheit der jungen KollegInnen aus, zahlen wenig Gehalt und machen in Sozialharmonie. Anfänger erhalten nach 4 bis 5 Jahren Studium 2.000 Euro brutto. Und nur 24 Tage Urlaub im Jahr, kein Weihnachtsgeld. Viele haben nur Befristungen.

Die Firma hat Niederlassungen in Tokio und Seoul. Der Umsatz betrug 2014 über 202 Millionen Euro, der Gewinn 35 Millionen.

Als einigen KollegInnen die reale Lage bewußter wurde, setzten sie sich zusammen und beschlossen einen Betriebsrat zu gründen. Sie traten mit Gabriele Weinrich-Borg, der Landesbezirksfachbereichssekretärin von verdi in Verbindung.

Als ihre Pläne den Inhabern bekannt wurden, wurden 15 von ihnen gekündigt, mit sofortiger Wirkung freigestellt und 13 weitere KollegInnen gleich mit.

Auf einer Betriebsversammlung am 19. Januar stimmten 580 KollegInnen gegen die Wahlvorstandskandidaten und 480 dafür.

Eine KollegInnengruppe durfte ihr Modell einer alternativen Mitarbeitervertretung, einer „Retention Working Group“ vorstellen. Es sollten keine „Außenstehenden wie die Gewerkschaft ins Haus geholt werden“.

Die Geschäftsleitung und die KollegInnengruppe profitierten von dem schlechten Ruf und Vorurteilen, den Gewerkschaften überhaupt in der Gesellschaft haben.

Dieser Gegensatz unter jungen KollegInnen ist interessant:

Einige, die voller Mißtrauen und Vorurteilen gegenüber allem Gewerkschaftlichen sind – andere mit der Einsicht, daß Gewerkschaften und gewerkschaftliche Organe wie Betriebsrat ein notwendiges Instrument sind, daß genützt werden sollte.

… “

Infos zu goodgame:
http://www.taz.de/Attacke-auf-betriebliche-Mitbestimmung/!5258829/
https://www.verdi.de/themen/arbeit/++co++858f0c78-aedf-11e5-9231-52540059119
https://hamburg.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++20350ef6-9cf4-11e5-8d84-525400438ccf
http://arbeitsunrecht.de/goodgame-evil-empire-der-wawrzineks/

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