Harte Zeiten bei Bossel

Artikel von Martin Rapp // work watch

Geschrieben am 16. Januar 2017

Erneute Kündigungen von gewerkschaftlich aktiven Kollegen im Sprockhöveler Kunststoffwerk

Die Belegschaft des Sprockhöveler Unternehmens ist einiges gewohnt. Seit die Beschäftigten mitbestimmen wollen und einen Betriebsrat wählten, hagelt es Abmahnungen, Hausverbote, Drohungen und Kündigungen. Zuerst traf es den Betriebsratsvorsitzenden Mustafa Aydogan, dann andere aktive Betriebsräte. Mit tatkräftiger Unterstützung der Gewerkschaft IGBCE und des Arbeitgeberverbandes Chemie versuchte der Eigentümer, Bernd Knäpper, die Belegschaftsvertretung zu zerschlagen. Doch der Betriebsrat gab nicht auf und bekam vor Gericht jedes Mal recht. Knäpper drohte immer wieder, den Betrieb zu schließen, sollte der Betriebsrat weiterhin im Amt bleiben.

Nun informierte das Unternehmen die Belegschaft per Aushang, dass der Betrieb „mit sofortiger Wirkung“ an zwei „neue Eigentümer“ übergeben worden sei. Bereits am ersten Arbeitstag der neuen Geschäftsführer Stephan Lauer und Alexander Wagner kam es zu einem Eklat. Weil die Druckmaschine mal wieder nicht funktionierte, redeten sie von Sabotage und setzten drei Arbeiter der Nachtschicht vor die Tür, zwei davon Mitglieder des Betriebsrats. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Gewerkschaft verdi fordert, die freigestellten Kollegen unverzüglich weiter zu beschäftigen und gewährt ihnen Rechtsschutz.

Mit ihrem Paukenschlag stellen die neuen Eigentümer unmissverständlich klar, dass sie den Betriebsrat wohl so schnell wie möglich loswerden wollen. Die neuen Gesellschafter Stephan Lauer und Alexander Wagner sind erfahrene Unternehmensberater. Mit seiner Firma verdiente Lauer 2012 über 1 Million Euro. Ende Dezember gründete er mit Wagner zwei neue Unternehmen, die Firma lauerwagner eins GmbH und lauerwagner zwei GmbH, Unterföhring. Die beiden sind Private Equity-Experten. Diese Branche ist wegen ihrer skrupellosen Unternehmenspolitik berüchtigt. Die „Heuschrecken“ versuchen mit der Übernahme von Unternehmen in kurzer Zeit möglichst viel Geld für die Eigentümer und Investoren aus dem Betrieb herauszuholen, stets zu Lasten der Beschäftigten. Die Freistellung der drei aktiven Kollegen ist eine klare Kampfansage an die Belegschaft und vermittelt eine eindeutige Botschaft: Bei Bossel stehen harte Zeiten bevor.

Link zum Artikel bei work watch

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