Die unvollendete Revolution 1918/1919 * Symposium am 29./30. März 2019

Über hundert Jahre sind vergangen, seit die deutsche Arbeiterbewegung versucht hatte, die Ursachen der Barbarei des I. Weltkrieges zu beseitigen. Über alle politischen Differenzen der Arbeiterorganisationen (SPD, USP, Spartakusbund) hinweg hatte der erste allgemeine Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte 1918 mit überwältigender Mehrheit gefordert:

die Beseitigung des Militarismus,
die Sozialisierung der großen Schlüsselindustrien und deren unmittelbare Einleitung durch die Enteignung des Bergbaus.

Diese Forderungen konnten nicht durchgesetzt werden. Der Einfluss der alten monarchistischen Kräfte und der besitzenden Klassen, der Unternehmer und des preußischen Landadels auf die Verwaltung der Weimarer Republik und auf das Militär blieben erhalten. Das waren die Kräfte, die den Aufstieg der Nationalsozialisten förderten und dem Faschismus 1933 zur Macht verhalfen. Damit wurden auch alle sozialen Errungenschaften der Weimarer Republik, wie beispielsweise die Anerkennung der Gewerkschaften als Tarifpartner und das Betriebsrätegesetz, beseitigt.

Nach dieser zweiten großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts und der militärischen Niederlage des faschistischen Deutschland entstanden spontan in allen Besatzungszonen Bestrebungen, die an die Forderungen vom November 1918 anknüpften: Nie wieder Krieg, nie wieder Aufrüstung, Sozialisierung des großen Kapitals (Schwur von Buchenwald, Volksabstimmungen über Sozialisierung). Es waren die Arbeiterinnen und Arbeiter, die unmittelbar nach Kriegsende die Produktion wieder in Gang setzten, während die NS-belasteten Eigentümer und Betriebsleiter der Industrie abgetaucht waren. Wie wir wissen, hatten in den westlichen Besatzungszonen und der BRD die Bestrebungen, mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu brechen, keinen Erfolg. Mit der Sicherung der kapitalistischen Eigentumsordnung wurde zugleich eine Arbeits- und Sozialordnung geschaffen, die auf den Grundlagen der Weimarer Republik beruhte.

In den fast drei Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung mussten wir erleben, wie die sozialen, gewerkschaftlichen und demokratischen Regelungen der alten BRD in Frage gestellt und abgebaut wurden. Ein immer größerer Teil der abhängig Beschäftigten fällt aus der Tarifbindung. Die Zahl der Betriebe ohne Betriebsräte nimmt zu. Wo sie existieren, stehen sie immer stärker unter dem Druck durch die Geschäftsleitungen, werden diffamiert und oft unter fadenscheinigen Gründen entlassen. Enteignet wird nicht das Kapital, sondern die sozialen Sicherungssysteme werden geschwächt und staatliche, kommunale und städtische Betriebe und Einrichtungen privatisiert. Zugleich boomt die Rüstungsindustrie und der Waffenexport. Seit dem Krieg gegen Jugoslawien ist die Bundeswehr an zahlreichen militärischen Interventionen beteiligt, von Afghanistan bis nach Afrika.

Auf unserem Symposium wollen wir Rückschau halten und aktuelle Fragen aufwerfen.

Wie lassen sich die sozialen und demokratischen Rechte, die auf die Novemberrevolution zurückgehen, heute verteidigen?

Welche nicht erfüllten Erwartungen und Forderungen haben auch heute noch ihre Bedeutung, wo gibt es Ansätze für eine breite soziale Bewegung, um die Übermacht des Kapitals heute zurückzudrängen?

Welche Bedeutung kommt den Beschäftigten, den Betriebsräten und den Gewerkschaften dabei zu?

Das Symposium findet am 29. und 30. März im
Großen Saal des IG Metall-Hauses Berlin, Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin-Kreuzberg (nahe U-Bhf. Hallesches Tor) statt.

Am 29. März 2019 beginnen wir um 19.00 Uhr (Einlass ab 18.00 Uhr) und setzen das Symposium am 30. März 2019 um 10.30 Uhr (Einlass ab 10.00 Uhr) fort. Die Veranstaltung dauert am Freitag bis ca. 22.00 Uhr und am Sonnabend bis ca. 18.30 Uhr.

Zur Erleichterung unserer Planung bitten wir um Anmeldung per E-Mail unter 1918unvollendet(at)gmx.de oder gleich hier: http://1918unvollendet.blogsport.eu/

Das Programm ist hier zum Download: Programm